
Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens
AG Säugetierkunde in NRW
Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Säugetierarten. Probieren Sie es aus.
Feldhase
Lepus europaeus
Startjahr
Endjahr
Als ursprünglicher Steppenbewohner und Kulturfolger besiedelt der Feldhase in NRW vor allem die landwirtschaftlich genutzten Tieflandbereiche. Er ist auch in den bewaldeten und höheren Lagen verbreitet, dort aber in geringerer Dichte. Bevorzugt werden offene, niederschlagsarme Gebiete mit trocken-warmen Lößböden und einer vielfältigen, kleinparzellierten Flächennutzung aus Äckern, Wiesen, Weiden und Brachen.
Zunehmend viele Junghasen gehen durch Krankheiten, landwirtschaftliche Arbeiten - insbesondere Mähtod auf intensiv genutztem Grünland - und natürliche Fressfeinde verloren. Aktuell wurde in einigen sog. Referenzrevieren in NRW eine mittlere Nettozuwachsrate vom Frühjahr bis zum Herbst von nur noch ca. 11% verzeichnet. Auch von ausgewachsenen, tot aufgefundenen oder erlegten Feldhasen wird über ein breites Spektrum an Erkrankungen und Todesursachen berichtet. Fälle von Tularämie (Bakterium Francisella tularensis) haben aktuell stark zugenommen, besonders im Münsterland, in der Soester Börde und in Ostwestfalen-Lippe. Die Rolle von Krankheiten beim Rückgang der Hasenpopulationen, der seit einigen Jahren auch in NRW wieder beobachtet wird, ist noch unklar. Dies gilt auch für mögliche Auswirkungen von Gärresten und anderen Düngemitteln sowie von Pflanzenschutzmitteln wie z. B. das Herbizid Glyphosat oder neuartige Insektizide (Neonicotinoide). Nachteilig für die Feldhasen und zugleich viele andere Offenlandarten ist zweifellos die anhaltende Intensivierung der Landbewirtschaftung mit immer größeren, strukturarmen Flächeneinheiten, intensiv gedüngten, dicht und hoch wachsenden Ackerkulturen mit ungünstigem, dunkel-feuchtem Mikroklima, Wegfall von Bracheflächen, Zunahme des Anbaus von Mais u. a. als Energiepflanze für Biogasanlagen, Nachtmahd und 4 bis 5-maliger Schnitt von Grünland mit schnelleren und breiteren Mähfahrzeugen sowie der Lebensraumverlust zugunsten von Rohstoffgewinnung, Siedlungs- und Verkehrsflächen. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist die Jagdstrecke in NRW um 2/3 auf 66.985 Feldhasen (incl. 15.036 sog. Fallwild) im Jagdjahr 2013/14, den bei weitem niedrigsten Nachkriegswert, zurückgegangen.
Literatur:
- ARNOLD JM, GREISER G, KEULING O, MARTIN, STRAUSS E (2013): Status und Entwicklung ausgewählter Wildtierarten in Deutschland. Jahresbericht 2012. Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Deutscher Jagdverband e. V. (Hrsg.), Berlin
- LUTZ W (2014): Fallwildbericht. Auswertung der im Jagdjahr 2013/14 durchgeführten Fallwilduntersuchungen im Land Nordrhein-Westfalen. Bonn
Textautor
Jürgen Eylert
Empfohlene Zitierweise
Eylert J (2025): Feldhase (Lepus_europaeus).In: AG Säugetierkunde NRW — Online-Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von saeugeratlas-nrw.lwl.org am 31.03.2025
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